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900 Jahre Schmiding (1111 - 2011)
 

leerVon der Gründung des Adelssitzes Schmiding ist uns keine Kunde überliefert, jedoch schon zu Beginn des 12. Jahrhunderts, in einer Urkunde vom 25. Juni 1111, wird der Name smidingen genannt: 1) “[...] quidam nobilis homo nomine Meginhart pollenheim, smidingen cum aliis praediis suis, [...]”. Durch dieses historische Dokument, das die früheste Erwähnung enthält, bestätigt Kaiser Heinrich V. die Besitzungen des Klosters St. Nikola in Passau. Der Text bezeichnet Meginhart von Polheim als Inhaber von smidingen.
Wappenstein der Regina von KirchbergFoto: Wappenstein der Regina von Kirchberg, geb. von Neuhaus (1595)

1406 fiel die Lehensherrschaft über den Sitz Schmiding nach dem Tod Eberharts II. von Kapellen an seinen Schwiegersohn Georg von Dachsberg, der das Rittergeschlecht der Ofen mit dieser kleinen Herrschaft (weiter-) belehnte. Nach dem Tod des letzten Dachsbergers knappe zwei Jahrzehnte später im Jahre 1423 beanspruchten sowohl die Herren von Lichtenstein (als weitere Erben der Kapeller) - als auch die Habsburger als Landesfürsten die Lehenshoheit über die Ofner. Ab 1489 hatte das Geschlecht der Innerseer (benannt nach dem Stammsitz in Rottenbach) fast ein Jahrhundert lang das Lehen
Schmiding inne. Einem Anschlag aus dem Jahr 1588 kann man den Wert des Adelsitzes entnehmen. Darin heißt es: „Erstlich das Schloß und Festen Schmiding, so zu einem bewohnten Sitz genugsam von Neuen erbaut, samt seinen Wassergräben, welches alles von dem Haus Österreich zu rittermäßigen Lehen rührt, angeschlagen per 3000 Gulden.“ Die gesamte Herrschaft Schmiding wurde mit 32.200 Gulden bewertet. Auch aus dem späten 16. Jahrhundert stammen 2 Wappensteine, die 1940 bei Erdarbeiten im Schlossareal ausgegraben wurden:
sie sind aus rotem Marmor und stellen die Wappen von Hans Ludwig und Regina von Kirchberg (1595) dar. 1626 wurde das Schloss im Bauernkrieg verwüstet.
Franzisceischer Kataster (1825)Foto: Franzisceischer Kataster (1825)

In der Folge wechselten die Besitzer in relativ kurzen Zeitabständen. Ein Epitaph der Familie von Oedt, eines Herrschaftsinhabers über Schmiding im 17. Jahrhundert, wurde in den 1980er Jahren bei Bauarbeiten im Krenglbacher Pfarrhof gefunden und fand im Zuge der kürzlich abgeschlossenen Kirchenrenovierung im Altarraum einen neuen würdigen Platz. 1692 wurde nach dem Tod des Freiherrn von Oedt die verschuldete Herrschaft Schmiding an Heinrich Graf von Strattmann verkauft. Die Strattmann richteten aus den Besitztümern Haiding, Schmiding, Peuerbach, Bruck und Spattenbrunn ein Fideikommiss (das ist ein nur ungeteilt übertragbares Familienerbgut) ein, welches 1760
an Ludwig Ernst Graf Batthyany fiel und 1825 aufgehoben wurde.

Mitte des 18. Jahrhunderts, also in der späten Barockzeit, wurden die Wehranlagen des Schlosses geschliffen. Diese geschichtliche Phase war gleichzeitig die Blütezeit des Feudalismus: 1750 beliefen sich die jährlichen Reineinkünfte der Herrschaft Schmiding auf 1580 Gulden.
leerIn der topographisch-historischen Beschreibung von Ignatz Gielge aus dem Jahr 1815 wird Schmiding als „ein Schloss, Meierhof, Bräuhaus und Dorf am Linetwalde in Oberham in der Pfarr Krenglbach im Kommissariat Schmieding im Hausruckviertel gelegen […] 39.575 fl. (Gulden) Kaufswert […] mit 91 unterthänigen Häusern, deren Kaufswerte 48.565 fl. und 25 Kreuzer betragen […]“ bezeichnet.

Die Aufhebung der Grundherrschaft im Revolutionsjahr 1848 durch das Grundentlastungs-Patent vom 7. September leitete für das Schloss Schmiding den wirtschaftlichen Niedergang als Herrschafts- und Verwaltungssitz ein.
Trotzdem war es noch im 19. Jahrhundert üblich, dass die Herrschaft die öffentlichen Einrichtungen Krenglbachs wohltätig unterstützte. Die Familie des Fürsten Batthyany-Strattmann spendete für die Volksschule Krenglbach jährlich 10 Gulden zum Ankauf von Wolle für den Handarbeitsunterricht. Für die Pfarrkirche stiftete die Güterverwaltung Schmiding das Bild „Beweinung des Leichnams Christi“.

1858 schenkte der Schlossherr Fürst Philipp Batthyany-Strattmann neben 50 Gulden auch das Bild „Maria Verkündigung“ der Krenglbacher Kirche. Mathias Pöchmüller, erster Gemeindevorstand (Bürgermeister) der 1850 neu errichteten Gemeinde Krenglbach, war Güterverwalter der Batthyanyschen Besitzungen Schmiding, Haiding und Peuerbach und großer Gönner der Pfarrkirche. Eine an der äußeren Kirchenwand angebrachte Gedenktafel, die ihm gewidmet war, fiel einer früheren Kirchenrenovierung zum Opfer.
Verkauf "Wibmer Sölde Schmiding"Foto: Verkauf "Wibmer Sölde Schmiding" (1646)


Seit nun 900 Jahren sind Namen von Personen überliefert, die im Lauf dieser Zeit die Geschicke von Schmiding gelenkt und damit Geschichte geschrieben haben. Von den Menschen in Schmiding, die außerhalb der Schlossmauern in ihren Häusern lebten und ihrer schweren Arbeit nachgingen (oft auch für die Herrschaft), kennen wir erst Namen, seit sie in Herrschaftsprotokollen oder Pfarrurkunden genannt wurden. Merth Piderer scheint als erster Bewohner Schmidings namentlich in einem Protokoll der Herrschaft Schmiding auf. Er verkaufte am 8. Juli 1646 die der Grundherrschaft Schmiding unterstehende „Wibmer Sölde“ zu Schmiding dem ehrbaren Merth Nester und Maria seiner Ehewirtin um 150 Gulden.
leerAm 30. Jänner 1651 wurde der Knabe Mathias Hellmer getauft. In den Taufmatriken von Krenglbach ist dies die erste eingetragene Taufe eines Schmidinger Kindes. Es war der Sohn des Hans Hellmer, Guschi (Kutscher) bei der Herrschaft Schmiding und der Barbara.
In einer Urkunde des Stiftes Lambach werden Namen von Schmidingern bereits viel früher genannt: Ein Dokument vom 20. Juni 1466 nennt im Zusammenhang mit einer Erbschaft „Barbara, Thaman Erstn hawsfraw, Margrecht, Steffan Pintter zu Krenglbach hawsfraw Anna, alle Geschwister, eheliche Kinder des Jorigen Mair zu Smiding vergleichen sich mit ihrem Vetter Wolfgangen Zacherlen zu Hof [...]”.

Fürst Montenuovo, der Nachfolger von Batthyany-Strattmann, verkaufte das Schloss 1882 an Dr. Franz Groß. Dieser erste bürgerliche Besitzer verwertete die Schlossliegenschaft durch ihren teilweisen Verkauf bestmöglich und wurde dafür im Volksmund „Güterzerstückler“ gescholten. Da Bücherei und Archiv des ehemaligen Adelssitzes für ihn keinen besonderen Wert darstellten, durften sich die Leute Bücher und Schriftstücke beliebig nach Hause tragen. Damit gingen unersetzliche Unterlagen verloren. Fünf Jahre später erwarben Franz und Franziska Stöcker, Essig- und Likörfabrikanten aus Wels, den Sitz Schmiding, verkauften ihn aber bereits 1899 weiter. Die Besitzer des Bräuhauses Nr. 2, Franz und Theresia Ammer, kauften vom Schlossbesitzer Anton Chmelar, Regenschirmfabrikant in Wien, am 14. August 1899 einen Acker und den nordwestlichen Gebäudeteil des Meierhofes zur Errichtung einer Binderwerkstätte. Der nächste Besitzer von Schmiding Franz Schmid von Schmidsfelden erstand das Schlossareal 1900 und verkaufte nur ein Jahr später an Josef Kraxberger.
Ansicht Schloss und Meierhof mit Turm, MissionshausFoto: Ansicht Schloss und Meierhof mit Turm, Missionshaus

Als Schmiding im Jahr 1902 in den Besitz des Ordens des hl. Franz von Sales überging, war vom ehemaligen Glanz des Herrschaftssitzes fast nur mehr das leere Schloss übrig. Die Salesianer nutzten das Gebäude als Missionsschule, welche vom Linzer Diözesanbischof Franz Maria Doppelbauer im September 1902 eingeweiht wurde. Nach und nach kaufte der Orden zehn Joch Grund zu, um eine Landwirtschaft betreiben zu können.

Im März 1907 brannte der mit Schindeln gedeckte Dachstuhl des Schlosses ab, wobei alle in den Dachräumen aufbewahrten Habseligkeiten der Studenten verbrannten.
Im Mai 1911 konnte das eigene Elektrizitätswerk, das vom Wasser des den Schlossgrund durchfließenden Krenglbaches gespeist wurde, eröffnet werden. Während des ersten Weltkrieges waren im Schloss Flüchtlinge untergebracht; im Sommer diente es als Ferienunterkunft für Wiener Kinder.
Die Kongregation der Oblaten des hl. Franz von Sales verlegte im Jahr 1920 ihre Missionsschule nach Dachsberg und gestaltete Schmiding zu einem Noviziatshaus um. Das Jahr 1928 brachte schließlich das endgültige Aus für das Ordenshaus. Dr. Höfinger aus Wien kaufte das Schloss. Er richtete ein Privat-Realgymnasium mit Internat ein. Dafür baute er den Meierhof aus, ließ den Turm abtragen und richtete einen Turnsaal ein. Direktor Dr. Höfinger förderte die Bildung der lokalen Jugend, indem er jeweils die zwei besten Schüler der 4. Klasse Volksschule kostenlos an seinem Gymnasium studieren ließ. Zur Erinnerung an diese Zeit organisierten die ehemaligen Schüler Hans Kapsamer und Hubert Weinbergmair mehrere Treffen der „Schmidinger Studenten“.
Im Jahr 1984 konnten sie gemeinsam mit Schlossbesitzer Präsident Dr. Adolf Artmann u.a. den ehemaligen Professor des Gymnasiums, Dr. Oman, und den Bundesminister a. D. Otto Rösch, ehemaliger Präfekt der Schmidinger Schule, begrüßen.
1940 pachtete das Welser Krankenhaus das Schloss und richtete eine Zweigstelle der Unfallstation ein.
Foto nach dem BrandFoto: Nach dem Brand vom 5.3.1907

Am 22. Juni 1942 eröffnete der nationalsozialistische Gauleiter das Lazarett unter der manipulativen Bezeichnung „Sonderstation für schwerbeschädigte Opfer der Arbeit“. Die Zweigstelle der Unfallstation blieb bis 1964 bestehen. Die zur Genesung in die Expositur nach Schloss Schmiding verlegten Welser Unfallpatienten gehörten mit ihren unverkennbaren gestreiften Pyjamas zum Ortsbild der Nachkriegsjahre. Die gehfähigen Patienten benützten den Aufenthalt in Schmiding für Spaziergänge zum Besuch von Verwandten oder Bekannten in der Gemeinde. Es gab ja in fast allen Häusern guten Most, der ihnen gereicht wurde. Auch das „Gasthaus zu den 6 Kastanien“ in Oberham und die Kegelbahn im Gastgarten des Gasthauses Oberndorfer wurden von den Patienten gerne besucht. Die Verbindung des Gasthauses Oberndorfer mit dem Schloss hat ohnehin eine lange Tradition. Als „Hoftafern und Backhaus“ unterstand es früher der Grundherrschaft Schmiding. Hier fanden stets die „Zöhrungen“, gemeinsame Mahlzeiten nach Amtshandlungen bei der Grundherrschaft, statt. Der Hofwirt zu Schmiding hatte unter anderem Hochzeitsablösungen an die Herrschaft zu entrichten, wie man den Brief- und Verhandlungsprotokollen entnehmen kann (z.B. Hofwirt Johann Kraxberger im nebenstehenden Protokoll vom Jahr 1748).
Schloss SchmidingFoto: Schloss Schmiding bei Krenglbach (ca. 1930)

Hofjäger war eine Zeit lang der „Jäger in der Kalipoint“, Kalteneck 13 (heute Tischlerei Doppler), der sogenannte Kutscherweber in Schmiding Nr. 13 und 14 war neben seinem Beruf als Weber auch herrschaftlicher Kutscher. Beim „Bräu“ in Schmiding Nr. 2 (Kfz-Werkstätte Huemer) befand sich das Bräuhaus der Herrschaft. Das Amtmannhaus in Gfereth Nr. 1 und das Dienerhaus in Gfereth Nr. 6 waren herrschaftliche Häuser für die Bediensteten.

Natürlich ranken sich auch Sagen und Legenden um das Schloss Schmiding: So erzählt man sich die Sage von Gismuth, dem edlen Ritter, der um die Mitte des zwölften Jahrhunderts durch Heirat in den Besitz des zu jener Zeit sehr festen Schlosses Schmiding gelangte und nach einem Überfall auf das Schloss durch den Raubritter von Traun großes Leid erfahren musste. Weiters ist die Sage von der eitlen Lena vom Kutscherweberhaus in Schmiding zu nennen. Auch die legendenhafte Erinnerung an einen geheimnisvollen unterirdischen Gang, der die Schlösser Schmiding und Haiding verbunden haben soll und von dort noch mehrere Kilometer weiter führte zum Burgstall der Geltinger am Kranall, ist in der Bevölkerung präsent.
GruppenfotoFoto: Bundespräsident Dr. Kirchschläger, Professor Otto König, Primar Dr. Artmann (1983)

Die sehr wechselhafte Geschichte des herrschaftlichen Schlosses Schmiding erfuhr mit dem Kauf durch Präsident Dr. Adolf Artmann im Jahr 1966 eine Wende. Den Meierhof erstand jedoch zunächst die Firma Geidl und vergrößerte dort ihre im nahen Katzbach bereits bestehende Strickwarenerzeugung. Jahre später erwarb die Familie Artmann auch diesen Teil des ehemaligen Schlossareals. Darauf entstand schließlich der renommierte Vogelpark Schmiding, der in dieser Form einzigartig in Österreich am 4. Juni 1982 durch Landeshauptmann Dr. Josef Ratzenböck eröffnet wurde. Anlässlich des einjährigen Bestehens stattete Bundespräsident Dr. Josef Kirchschläger am 10. Juni 1983 dem Park einen Besuch ab. Bei der Restaurierung des Meierhofes wurde auch sein während der beiden Weltkriege abgetragener Turm wieder erbaut. Seit 1987 ist im Meierhof das „Museum der Begegnung“ eingerichtet. 1997 wurde das Gelände des Vogelparks für die OÖ Landesgartenschau erweitert.

Heute ist der geschichtsträchtige ehemalige Herrschaftssitz Heimat des Zoo Schmiding mit einer Vielfalt von Tieren und Attraktionen.

Link:
Zoo Schmiding (neues Fenster)


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